Drei Tage lang stand Brandenburg an der Havel ganz im Zeichen der Gitarre: Vom 25. bis zum 27. September 2026 fanden die Brandenburger Gitarrentage statt. Die städtische Musikschule Vicco von Bülow hatte ein abwechslungsreiches Programm aus Konzerten, Masterclasses und musikalischen Begegnungen zusammengestellt. In der St. Katharinenkirche, der Domaula und der Petrikapelle wurde dabei die ganze Bandbreite des sechssaitigen Instruments hörbar.
Bereits der Auftakt am Freitag machte deutlich, dass die Gitarrentage musikalische Grenzen überschreiten wollten. Im Rahmen der 30. Brandenburger Sommerorgelnacht trafen in der St. Katharinenkirche Orgel und Gitarrenensemble Brandenburg aufeinander. Das Gitarrenensemble der Musikschule „Vicco von Bülow“ musizierte unter der Leitung von Angelika Eckelmann gemeinsam mit KMD Marcell Fladerer-Armbrecht. Werke von unter anderem Johann Sebastian Bach, Christoph Willibald Gluck, und Dmitrij Schostakowitsch ließen die unterschiedlichen Klangfarben von Orgel und Gitarre miteinander in Dialog treten. Darüber hinaus öffneten die Musizierenden den Klangraum sogar noch weiter und begrüßten einen jungen Cellisten der Musikschule Vicco von Bülow. Jan Lindtner komplettierte so die Klangvielfalt und fügte dem Eröffnungsabend seinen warmen Cellosound hinzu.
Der Samstag stand ganz im Zeichen von Konzert und musikalischer Weiterbildung. In der Domaula arbeitete Prof. Rainer Feldmann von der Universität der Künste Berlin in einer Masterclass mit Gitarristinnen und Gitarristen unterschiedlichen Alters und Ausbildungsstands. Damit wurde ein wesentlicher Gedanke der Gitarrentage sichtbar: Neben dem Konzerterlebnis geht es auch darum, musikalische Erfahrungen weiterzugeben und junge beziehungsweise ambitionierte Musikerinnen und Musiker zu fördern.
Der weitere Sonnabend war ein besonderer Konzerttag mit gleich drei Konzerten, die zugleich die internationale und stilistische Vielfalt des Festivals sichtbar machten. Den Auftakt gestaltete die tschechische Gitarristin Petra Poláčková mit einem fein nuancierten Soloprogramm. Im zweiten Konzert präsentierten Musikerinnen und Musiker aus dem internationalen Umfeld der UdK Berlin unter dem Titel „Faszination Gitarre“ virtuose Werke für Sologitarre. Den Abschluss bildete das Berliner Duo Tsching mit einem genreübergreifenden Crossover-Programm.
Drei Konzerte, drei unterschiedliche künstlerische Handschriften und zugleich ein bemerkenswert internationaler Blick auf die Gitarre.
Am Sonntag wurde zunächst die intensive Arbeit in der Masterclass mit Prof. Petra Poláčková fortgesetzt. Vier Stunden lang stand die musikalische Auseinandersetzung mit dem Instrument im Mittelpunkt, bevor am Nachmittag die Ergebnisse der Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der Petrikapelle öffentlich vorgestellt wurden. Damit bekam die Bildungsarbeit der Gitarrentage unmittelbar eine Bühne: Aus dem Unterricht wurde Konzert, aus der konzentrierten Probenarbeit ein gemeinsames musikalisches Erlebnis.
Den krönenden Abschluss bildete anschließend das Gitarrentrio SONORO unter der Leitung von Martin Lindtner. Mit dem Teilnehmerkonzert und dem Auftritt des Trios schloss sich zugleich der Bogen zu den beiden vorangegangenen Tagen: Virtuose Konzertmusik, musikalische Nachwuchsarbeit und die Freude am gemeinsamen Musizieren kamen noch einmal zusammen.
Gerade diese Verbindung machte den besonderen Charakter der Brandenburger Gitarrentage 2026 aus. Das Festival präsentierte die Gitarre nicht nur als klassisches Soloinstrument, sondern zeigte sie im Ensemble, im Zusammenspiel mit der Orgel und im Crossover mit unterschiedlichen musikalischen Einflüssen. Gleichzeitig boten die Masterclasses Raum für persönlichen Austausch und musikalische Weiterentwicklung.
Auch die Wahl der Spielorte trug zur besonderen Atmosphäre bei. Die historische St. Katharinenkirche, die Domaula und die Petrikapelle gaben den einzelnen Veranstaltungen jeweils einen eigenen Charakter, eine bemerkenswerte Akustik und machten die Gitarrentage zugleich zu einer musikalischen Reise durch die Brandenburger Altstadt.
Nach drei intensiven Tagen bleibt damit vor allem eines: Der Eindruck, dass die Gitarre in Brandenburg an der Havel viele Stimmen hat – und dass es sich lohnt, ihnen zuzuhören.



